Recruiting-Strategien:
Wie gewinnen Unternehmen KI-Experten für sich?

Research Marc-David Rompf13. März 2020

40% der europäischen KI-Start-ups verwenden keinerlei KI-Technologie (KI Survey von MMC Ventures) Ein Phänomen, in dem Dr. Hakan Duman, Freelancer für KI-Innovationsprojekte, auch ein Risiko in der Kommunikation mit KI-Talenten sieht:

„Wenn Unternehmen das Thema KI massiv im Eigenmarketing ausflaggen, sollte das nicht in einem Widerspruch zur tatsächlichen KI-Kompetenz im Team stehen. Fake-KI schadet der Reputation – sei es bei den Kunden, die bessere Leistungen bzw. Produkte erwarten oder bei den Mitarbeitern, die ihr KI-Knowhow weiterentwickeln möchten“.

Last but not least kann ein solcher ‚Fake’‚ auch für KI-Talente beim Kennenlernen eines potentiellen neuen Arbeitgebers zum Kick-off Kriterium werden. Mit welcher Recruiting Strategie man stattdessen bei KI-Champions punkten sollte, haben wir in den TOP 4 Recruiting-Tipps unserer Interviewpartner zusammengefasst.

„Fake-KI schadet der Reputation.“
Dr. Hakan Duman, Freelancer für KI-Innovationsprojekte

TOP 1:
Realisiere eine KI-Roadmap!

  • Wie wird KI gelebt? Viele deutsche Unternehmen experimentieren auf Abteilungsebene mit KI, aber nur eine Minderheit verfolgt eine einheitliche und firmenweite KI-Strategie. Genau dies ist für die A-Garde der KI-Talente aber ein wichtiger Pluspunkt bei US-Konzernen oder Start-ups. Ein Anfang ist, Silos abzuschaffen und den KI-Mehrwert abteilungsübergreifend darzustellen. Dafür benötigen die Unternehmen neben KI- und IT-Skills auch Teamkompetenzen in den Bereichen Change-Management und Transformation.
  • Purpose = sinnvolle und herausfordernde Aufgaben sind essentiell. KI-Talente wollen für eine Organisation arbeiten, die sich positiv auf die Welt auswirkt und in der sie ihre Potenziale entfalten und eine Wirkung erzielen können.

TOP 2:
Sei authentisch!

  • Ist es ein Match zwischen Talent und Team? Das hängt vom KI-Reifegrad ab – hier müssen aber beide Seiten ehrlich sein. Als Unternehmen sollte man transparent machen, was im Bereich KI bislang geleistet wurde und auf welche Daten zugegriffen werden kann. Im Job Interview sollten also genau die Experten mit am Tisch sitzen, die bereits Teil dieses Prozesses sind und Auskunft geben können: Was ist im Einsatz? Welche Mittel stehen zur Verfügung? Gibt es ein Empowerment, um die Themen weiter zu forcieren?

  • Spitzenkräfte ziehen gute Leute an: Führungskräfte mit technischem Knowhow haben nicht nur Vorbildfunktion in den Teams Sie können auch das Potenzial der Lösungen, die KI-Talente entwickeln, richtig beurteilen, wertschätzen und hervorheben.

„KI muss als Team-Hiring angegangen werden. Nicht der Einzelkämpfer bringt die besten Resultate, sondern ein Ökosystem aus Vordenkern und Machern. “
 Dr. Andreas Liebl, Managing Director, appliedAI Initiative

TOP 3:
Sorge für stabile Beziehungen!

  • Emotionale Bindungen zum Produkt oder zur Firma und dem KI-Vorhaben schaffen: ist ein direkter Bezug zwischen der Arbeit des KI-Experten und zum Endprodukt erfahrbar (bspw. Anwendungen im Fahrzeug, Tools im Kundendienst), stärkt das die Identifizierung mit dem Unternehmen.

  • Am richtigen Platz angelangt? Das entscheidet sich laut unserer Gesprächspartner an einem neuralgischen Punkt: wenn der KI-Experte sicher ist, dass sein Unternehmen eine echte = ernsthafte, datengetriebene KI-Strategie und einen wahrnehmbaren kulturellen Wandel verfolgt. Etwa, wenn die traditionelle Top-Down-Entscheidungsfindung tatsächlich durch Empfehlungen von KI-Tools wie neuronalen Netzen neu gestaltet wird.

TOP 4:
Biete Entwicklungs-perspektiven!

  • KI-Talente sind keine Einzelkämpfer: es sollte ein Umfeld vorhanden sein, in dem sich der Bereich und die Person(en) weiterentwickeln. Daher sollte die Umsetzung einer KI-Roadmap auch stets als Team Hiring angegangen werden Startet man mit ein oder zwei Positionen, sollten diese die Freiheit haben, um ein Ökosystem zu bespielen oder sich dort zu bewegen. Abschottung ist ein Kardinalfehler, der KI-Talente schnell aus dem Unternehmen treibt.

  • Austausch in der KI-Community: alle Gesprächspartner des dla Researches betonten die große Bedeutung dieses Aspektes. Formate sind zahlreich vorhanden, angefangen bei Messen und Veranstaltungen mit herausragenden Referenten, Hackathons bis hin zu Kooperationen mit der globalen Community, insb. Open Source Development und zweckgebundene Kooperationen mit Universitäten und Forschungsinstituten.